Dokumentation über den Bau eines Madamp A15Mk1

Ich habe mir einen Madamp A15Mk1 gebaut und mir überlegt das ganze mal zu dokumentieren und ins Web zu stellen, da gelegentlich einige Fragen bezüglich des Baus und des Schwierigkeitsgrades von Madamps in den einschlägigen Foren auftauchen.

Hinweis: Auf den Fotos ist die Plus-Version des A15Mk1 zu sehen die es so noch nicht auf der Webseite von MADAMP zu kaufen gibt (kommt demnächst). Sie hat, im Gegensatz zur aktuellen Version mit Alugehäuse, ein bereits fertig lackiertes, gebohrtes und beschriftetes Stahlblechgehäuse (so das die Frontplatte und das Selberbohren der Gehäuseöffnungen entfallen können) und andere Potis. Der (geringe) Mehrpreis zur einfachen Version lohnt auf jeden Fall. Info: Inzwischen ist die Plus-Version auf der Madamp-HP ebenfalls im Angebot.

Wenn der Paketdienst klingelt erhält man ein Paket dessen Inhalt in etwa so aussieht:

Nach dem Auspacken liegen dann zum einen das Gehäuse

und alle zum Bausatz gehörenden Teile vor einem (die Potiknöpfe vor dem AÜ sind optional und müssen gesondert gekauft werden):

Nach dem Erhalt der Schaltpläne, des Layouts und der Bauanleitung (kommen gesondert als PDF-Files per E-Mail) kann es dann losgehen, zuerst wird die Hauptplatine auf Rück- und Vorderseite bestückt (Tip: Werte der Widerstände nicht nur anhand ihrer Farbkodierung ablesen sondern jeden! Widerstand vor dem Verlöten mit dem Multimeter nachmessen, gerade bei den orangen und roten Farbringen vertut man sich gern, Fehler und Probleme zum Schluß sind dann vorprogrammiert):

Wenn das erledigt ist kommt als nächstes das Netzteil dran:

Jetzt werden die fertigen Platinen ins Gehäuse gesetzt, die Buchsen, Schalter, Röhrenfassungen, Trafo und AÜ werden ebenfalls befestigt.

Dann geht es weiter mit dem Verdrahten der Stromversorgung (Erdung, Netzbuchse, Sicherungen, Schalter, Trafo, Netzteil). Wenn alle gemessenen Spannungen stimmen geht es weiter mit der Heizstromversorgung für die Röhren, den Anschlüssen für die Anodenspannungen etc. und allen Masseverbindungen von den Platinen zum zentralen Sternmassepunkt. Man erkennt nun auch so langsam was es mal werden soll ;-)
Das Löten hier ist nicht unbedingt etwas für jemanden der außer einem Gitarrenkabel noch nicht viel zusammengelötet hat, denn es geht im Amp zum Teil doch schon etwas eng zu dabei. Deshalb ein paar Detailaufnahmen als Entscheidungshilfe ob die eigenen Lötkünste dafür ausreichen (Smooth-Schalter, Röhrensockel und Klangregelung für den 1. Kanal):
Nachdem dann der Rest verdrahtet ist (das hier soll ja keine Bauanleitung werden, die gibts beim Kauf mit dazu) sieht das Innere dann in etwa so aus (die Kabelbinder kamen natürlich erst nach dem Durchmessen an den im Schaltplan angegebenen Messpunkten um die Kabel, sonst hat man u. U. doppelte Arbeit):
Fertig und mit Röhren bestückt (4x ECC 83S und 2x 6V6S von JJ Electronic) sieht der Amp in der Plus-Version dann folgendermaßen aus (Rückansicht, von vorne und von oben). Wie man erkennen kann ist auf der Rückseite bereits eine entsprechend beschriftete Bohrung für eine (optionale) Fußschalterbuchse vorgesehen:
Nachdem das Bias eingestellt und die ersten Tests absolviert sind und alles so funktioniert wie es soll können die Poti-Achsen gekürzt werden damit die Knöpfe angebaut und der Bau des Chassis damit dann abgeschlossen ist:
 
(Ich habe nachträglich noch mal ein paar Bilder gemacht wo man das "Innenleben" und das Chassis selbst etwas besser sehen kann).

Jetzt fehlt nur noch eins, das Gehäuse für den Amp. Es wird wohl in absehbarer Zeit bei Madamp auch Gehäusebausätze geben (so habe ich es zumindest läuten hören), aber bis es (eventuell) soweit ist sollte jeder der so einen Madamp baut sich darüber im klaren sein das er sich ein Gehäuse dafür noch selber bauen muß.

Das ist aber, mit etwas handwerklichem Geschick, nicht sonderlich schwer. Deshalb füge ich mal die Bilder für mein Gehäuse an, ich habe mich für ein Topteil entschieden da ich bereits ein 2x12" Cab habe das ich mir für meinen Selbstbauröhrenamp auf Basis des P1 von AX84.com gebaut habe.

Zunächst ging ich also in den Baumarkt, die beiden nachfolgenden Bilder zeigen den Ampgehäusebausatz "Modell Hagebau" wie ich ihn da kaufte *g*:

Da mir dieser "Bausatz" von der Form her noch nicht so ganz zusagte ;-) habe ich mittels Tischkreissäge, Oberfräse und einigen anderen Werkzeugen
(zwischendurch mal gucken ob alles so passt wie geplant)
ganz einfach einen Gehäusebausatz "Modell Mike" daraus gemacht:
Jetzt nur noch schauen ob die Rückblende vernünftig sitzt:
Dann die Frontblende verschrauben (Innen- und Außenansicht):
Und schon können Ampchassis und Gehäuse "Hochzeit" feiern ;-) (Rückansicht):
Und so siehts mit Ampchassis drin dann von vorn bzw. oben aus:
Ich denke das Ergebnis ist zumindest wohnzimmertauglich ;-). Ich betreibe das Top zur Zeit an diesem Eigenbau 2x12" Cab
das ich mit 2 12" Eminence-Speakern (L112) bestückt habe und wahlweise halboffen oder geschlossen benutzen kann:

Das Problem mit diesen Speakern ist allerdings das sie zwar wunderbar zum "Fender-Sound" des 1. Kanals passen, mit dem Zerrsound des 2. Kanals bei etwas mehr Gain aber leider überfordert sind. Es steht also ein Wechsel auf z. B. 2x12" Celestion V30 an.

Zum Abschluss noch ein Bild von Cab und dem A15Mk1 im passenden Gehäuse zusammen:

Der Amp klingt soundmässig besser als mein Röhrenselbstbau auf Basis des P1, der A15Mk1 ist ein Amp den ich mir jederzeit wieder kaufen würde. Was ich bei meinem noch machen werde:

Der A15Mk1 hat ein außen liegendes Poti um das Bias einzustellen, klasse Sache. Das Problem dabei: Um die Biasspannung an den (ja bereits vorhandenen) 1 Ohm-Widerständen der Endstufenröhren zu messen muß man trotzdem den Amp immer noch aus seinem Gehäuse schrauben. 2 Chinchbuchsen o. ä. zum Messen der Biasspannung die hinter den Röhren in das Amp-Chassis gesetzt werden wären eine sinnvolle Ergänzung wenn das Bias-Poti schon rausgeführt ist, das werde ich bei meinem A15 auf jeden Fall noch nachrüsten.

Ansonsten hoffe ich dem einen oder anderen interessierten Gitarrero durch meine "Online-Doku" über den Bau des (bzw. eines) Madamps eine kleine Hilfe für die Entscheidung gegeben zu haben ob er es sich zutrauen kann so einen Amp selbst zu bauen.

In diesem Zusammenhang noch ein sehr wichtiger Hinweis: Röhrenverstärker arbeiten mit Spannungen im Bereich von 300 bis 400 Volt. Wenn man da beim Bau oder der Fehlersuche wenn etwas nicht funktioniert aus Unwissenheit oder Sorglosigkeit die falschen Teile berührt kann das tödlich enden!

Entgegen der in den einschlägigen verschiedenen Foren gelegentlich gehörten Meinung, das aufgrund der mitgelieferten (und wirklich sehr guten) bebilderten Bauanleitung daher auch z. B. die Schwiegermutter so einen Bausatz mal eben zwischen Mittag und Kaffee locker am Küchentisch "zusammenbraten" könnte sehe ich das deshalb völlig anders:

Es sollten schon fundamentale allgemeine Grundkenntnisse der Elektronik vorhanden sein, desweiteren auch Kenntnisse über Röhrentechnik (die man sich auch notfalls im Web anlesen kann wenn die Elektronik-Grundlagen da sind). Ein Madamp sollte auch nicht das erste elektronische Projekt sein das man angeht. Eventuell sollte man sich als Anfänger mit weniger Erfahrung überlegen zunächst einmal einen J5Mk1 zu bauen (5 Watt Röhrenverstärker), der ist billiger und vom Arbeitsumfang etwas einfacher. Ich habe auch etwas läuten hören das es demnächst einen recht einfach aufgebauten "Anfänger-/Einsteiger-Röhrenamp", der preislich unter 100 Euro liegen soll von Madamp geben wird, aber, wie gesagt, ich habe da nur was gehört...

Weiter benötigt man neben den üblichen Werkzeugen einen vernünftigen Lötkolben, entsprechende Lötkenntnisse (es geht da teilweise schon recht eng zu beim Löten) und ein vernünftiges Multimeter als Grundausstattung für den Bau.

Ich selber habe für den Bau des A15Mk1 die verfügbare Freizeit von 3 Tagen benötigt, allerdings ist das auch nicht mein erstes elektronisches (Röhren)projekt, ich habe bereits entsprechende Erfahrungen mit Röhren in anderen Bereichen aufgrund eines entsprechenden Hobbys gesammelt und auch den Selbstbau eines Röhrengitarrenverstärkers auf Basis eines P1 von AX84.com hinter mir. Der eine oder andere sollte also etwas mehr Zeit für den Bau einkalkulieren, ebenfalls sollte er nicht davon ausgehen das alles nach dem Bau von Anfang an sofort fehlerfrei funktioniert!